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forum and market
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Ich möchte in diesem kurzen Referat die beiden Begriffe FORUM und MARKT erläutern, vergleichen sowie Gemeinsamkeiten, Parallelen und Unterschiede aufzeigen.
1. Begriff und Definition
Mein ‘Meyers Großes Taschenlexikon’ auf den richtigen Seiten angeklickt, erscheinen vor meinen Augen folgende Definitionen:
Forum [lat. “Markt, Marktplatz”], in der Antike der Mittelpunkt jeder von den Römern gegründeten Stadt; Zentrum für alle städtischen Behörden und Regierungsorgane, wie des Geschäftsverkehrs. Magistratsgebäude, Wandelgänge sowie zahlreiche Tempel und zum Teil Markthallen umgaben den Platz, auf dem Altäre, Statuen, Siegessäulen und Triumphbögen errichtet wurden.
Im heutigen Sprachgebrauch ist ein Forum soviel wie eine Plattform, ein geeigneter Ort (zum Beispiel eine Zeitschrift) oder ein Personenkreis, der eine sachverständige Erörterung von Problemen oder Fragen garantiert.
Markt [zu lat. mercatus “Handel, Messe”], Platz an dem Verkäufer und Käufer, Erzeuger und Verbraucher sich zu Handelszwecken treffen. In der antiken Stadtkultur war der Marktplatz (Agora, Forum) Standpunkt von Veranstaltungen des öffentlichen Lebens. Die Marktplätze bildeten den Mittelpunkt der Stadt, dort wurden die wichtigsten öffentlichen Gebäude errichtet Hier stand in der mittelalterlichen Stadt als Zeichen der Marktfreiheit das Marktkreuz. Seit fränkischer Zeit verlieh der König das Recht einen Markt abzuhalten, er garantierte den freien Handelsverkehr und die Sicherheit der Wege.
In der Wirtschaftswissenschaft ist der Markt der ökonomische Ort des Tauschs bezüglich eines bestimmten Gutes unter dem Aspekt der Preisbildung, ohne daß eine örtliche oder zeitliche Marktveranstaltung vorzuliegen braucht.
2. Aus der Geschichte
Märkte entstehen dort, wo Menschen untereinander Güter austauschen und miteinander handeln.
Die Arbeitsteilung ist Voraussetzung für das Bedürfnis Güter auszutauschen. Eine Gesellschaft die einen solche Austausch pflegt, ist zum größten Teil seßhaft, also nicht mehr Jäger und Sammler. Somit waren Märkte ein Zeichen für das Vorhandensein einer höheren Kultur. Handel findet zwischen Gemeinschaften früher statt als innerhalb derselben, so kam es, daß sich zuerst der Fernhandel entwickelte.
Die ersten Fernhandelsbeziehungen entstanden von Mesopotamien aus in den östlichen Mittelmeerraum bereits im 4. Jh. v. Chr.
Mit der weiteren Ausdehnung des Fernhandels, der nacheinander von der Kretern, Phönitiern, Griechen und Kathargen beherrscht wurde, breiteten sich die Beziehungen nach Indien, in den westliche Mittelmeerraum, die europäische Atlantikküste und nach Westafrika aus.
Mit der Entstehung des römischen Weltreichs erfuhr der Fernhandel einen großen Aufschwung, weniger durch Handelsaktivitäten Roms selbst als vielmehr durch die entstehende Sicherheit der Handelswege und der Vereinheitlichung von Münzen, Maßen und Gewichten.
Wie Perlen an einer Kette so reihen sich Städte und Handelszentren, an diesen Wegen auf
Die Entstehung von Städten und das Aufkommen von Marktlätzen ist so eng miteinander verbunden, daß sich hier sicher die berühmte ‘Huhn / Ei’-Frage stellen ließe. Ein Markt ist unbedingte Voraussetzung für das Funktionieren einer Stadt. Daß dieser als Treffpunkt am günstigsten im Zentrum der Stadt liegen, dort wo sich wichtige Straßen kreuzen bietet sich an. Häufig liegen einige der wichtigsten Gebäude an den Marktplätzen. So entstehen belebte Zonen in der Stadt und damit so etwas wie Urbanität. Begegnung, Tausch, Lärm, Verkehr, Reklame, Information, Handel, Versammlung, Diskussion, Feste, Bekanntmachung, Treff und vieles mehr. Die ganze Palette von menschlicher Kommunikation. Je größer die Stadt, desto lebhafter der Markt - für denjenigen der diese Lebensform schätzt ein attraktiver Ort.
Konstanz wartet mit gleich mehreren Märkten auf, deren Namen meist etwas über die ehemalige Funktion und Aufgabe aussagt. Marktstätte, Fischmarkt und Obermarkt.
Das Wort Marktplatz verbinden wohl die meisten von uns mit der Vorstellung eines historischen, mittelalterlichen Marktplatzes
Wochenmarkt, Blumenmarkt, Flohmarkt, Schwarzmarkt
Dem Lexikon war zu entnehmen, daß das Wort Forum ebenfalls Markt oder Marktplatz bedeutet. Das Forum war der Mittelpunkt einer spezifischen urbanen römischen Architektur. In den Kolonien wie auch in den romanisierten Städten Italiens vereinten sich dort verschiedene Funktionen - die politische (die Kurie), die religiöse (das Kapitol) und die kommerzielle (eine Basilika oder Markthalle). Meist waren die Foren in der Provinz baulich klarer strukturiert als in Rom selbst.
Das Forum Romanum war ein von der Via Sacra (“Heilige Straße”) längs durchlaufenes Geviert von etwa 115 x 60 m, Zentrum des Geschäftslebens, Ort der Rechtsprechung, öffentlicher Veranstaltungen sowie von Volksversammlungen.
Weil es schwierig war, dem alten Forum, das mit prachtvollen Gebäuden vollgestellt war, die monumentale Wirkung zu verleihen, die einer Haupt- und Millionenstadt angemessen war, errichteten einige Kaiser: Caesar, Augustinus, Domitian und Trajan an seiner Nordseite zusätzliche Foren. Diese waren von Säulenhallen umschlossen, die sich symmetrisch um eine Hauptachse gliederten. Sie waren alle Variationen desselben Themas: ein von Portiken umlaufener Hof, der von einem Tempel auf der Stirnseite dominiert wurde. Im Forum des Trajan gab es mit der Bibliothek eine weitere, eine kulturelle Funktion.
3. Die Entwicklung im 20. JH.
Wo ist nun das Forum im 20. Jh.? In der gebauten Form der Römer ist es nicht mehr vorhanden. Geblieben ist aber die übertragene Bedeutung als Diskusionsplattform. Die Mitten und Zentren unserer Städte haben sich weiter entwickelt. Architekten und Soziologen entwickeln, wie schon Vitruv, ihre Visionen und Konzepte. Dazu Siegfried Giedion:
“Gemeinschaftszentren werden sich bilden, sobald die Städte nicht mehr als bloße Agglomerationen von Arbeitsstätten und Verkehrssignalen aufgefaßt werden. Sie werden aufschießen sobald die Menschen wirklich die Isolation empfinden, in der sie inmitten einer sich drängenden Menge leben, und das Verlangen nach einem reicheren Leben, d.h. nach einem Gemeinschaftsleben, sich nicht mehr unterdrücken läßt. All dies ist eng verknüpft mit einem Sinn für Entspannung, mit einem Drang nach einem anderen belebenden Einfluß außerhalb der Arbeit und der Familie, einem Erleben, daß das enge, private Leben der Menschen zu erweitern vermag.”
Jede Kultur, die es bisher gab, hat das Verlangen nach Einrichtungen, in denen sich dieses Leben entwickeln konnte erfüllt
“In verschiedenen Epochen verfolgten diese Institutionen verschiedene Ziele. Aber ob sie Griechische Gymnasion heißen oder Agora, Römische Thermen oder Forum, Zünfte, mittelalterliche Marktplätze oder Kathedralen, immer dienten sie der Entwicklung der menschlichen Werte, die nicht in der Isolation gedeihen. Das zukünftige Gemeinschafts-Zentrum muß von der Gemeinschaft für die Gemeinschaft erstellt werden.”(Siegfried Giedion: ”Architektur und Gemeinschaft”, 1956, S.38)
Eine Gesellschaft braucht Orte und Instituionen in denen sie sich gemeinschaftlich entwickeln kann. Walter Gropius hat konkretere Raumvorstellungen. Er beschreibt sie 1954 in seinem Buch ‘Architektur’.
“Das Herz des kommenden Organismus, das die vielfältigen Möglichkeiten zu gesellschaftlichem Austausch koordiniert, ist das Gemeinschafts-Zentrum, von dem die gesellschaftlichen Arterien ausgehen, die Wesen und Stärke der gesamten Gruppe bestimmen. Ein solches Zentrum bedarf eines öffentlichen Versammlungsraumes und einiger Sitzungszimmer und kann am besten im Zusammenhang mit dem Schulgebäude geplant werden. Von hier aus können die Einwohner im Umgang mit allen Altersklassen ihr geselliges Leben steuern und ihren Einfluß auf die Verwaltung und auf die kulturellen Einrichtungen nehmen. Als gesellschaftlicher Kern ist das Gemeinschafts-Zentrum richtunggebend und anregend für das kollektive Planen und Handeln und ermöglicht gleichzeitig jedem Einzelnen, durch aktive Teilnahme den ihm gebührenden Platz innerhalb der Gemeinde einzunehmen.
Da diese kleinen Gemeinschaftszentren für die menschliche Entwicklung der Gruppe von so wesentlicher Bedeutung sind, sollten sie Priorität vor allen anderen Bauprojekten, ja sogar auch vor dem Bau von Wohnungen erhalten.”
(Walter Gropius: ‘Architektur’, 1956, S.110)
Daß die Einrichtung eines Forums oder einer zentralen Gemeinschaftseinrichtung eine gut Grundlage des Zusammenlebens in einer Gemeinschaft ist scheint unbestritten. Architekten und Planer machen sich aus ihrer sozialen Verantwortung heraus für entsprechende Projekte stark. Doch sollten wenn möglich alle Randbedingungen vor der Erstellung eines Großprojekt realistisch und nicht aus der idealisierten Vorstellung der Architekten beleuchtet werden.
Das ‘Neue Forum in Castrop-Rauxel’ zeigt heute wie es aussieht, wenn eine große Idee von den Bürgern nicht angenommen wird, weil sie trotz eines Architekturwettbewerbs an der Realität vorbei geplant wurde. Bei der Zusammenlegung der beiden Städte Castrop und Rauxel im Jahre 1926 entschied man sich das neue Zentrum genau zwischen die beiden Städte zu legen. Die großzügige Anlage bebaut von Arne Jacobsen beinhaltet das Rathaus und eine Veranstaltungshalle.
Der Architekt und Städtebauer Rudolf Hillebrecht geht auf soziale Veränderungen in seinem Buch ‘Städtebau als Herausforderung ein.
“Die allgemeinen Merkmale dieses Strukturwandels zeigen sich in der veränderten Nutzung der Baulichkeiten und ihrer Einrichtungen. Die mittelalterliche Bedarfsdeckung durch den Handwerker kannte nicht das auf Kundenwerbung eingestellte Ladengeschäft der modernen Konsumwirtschaft. Der Einbau von Läden veränderte nicht nur ästhetisch das Bild des Hauses und der Stadt, sondern wandelte nach und nach den Kern der Stadt von einer Wohnstadt zur modernen City mit allen ihren Begleiterscheinungen.”
(Rudolf Hillebrecht: ‘Städtebau als Herausforderung’, 1974, S.51)
Jahrmarkt, Supermarkt, Heiratsmarkt
4. Und wie weiter ?
Nochmals Rudolf Hillebrecht:
“In den USA ist das Wort von den »exploding metropolis« geprägt, auch der Begriff der »metropolitan area«. Die Aushöhlung der Stadtzentren droht, die Gebäude zu Werbeträgern zu degradieren, während für das Marktgeschehen bereits neue Zentren weit außerhalb der Stadtzentren sich bilden, ja planmäßig angelegt werden.”
(Rudolf Hillebrecht: ‘Städtebau als Herausforderung’, 1974, S.92)
Hier drängt sich mir die Frage auf, sind diese Marktplätze im Internet nicht auch wieder (Einkaufs-)zentren die weit von unseren historischen Stadtzentren entfernt liegen, obwohl der Einzelne unter Umständen nur wenige Schritte laufen müßte oder sogar nur aus dem Fenster zu schauen bräuchte um in seiner Stadt zu sein?
Für uns ist der wirtschaftliche Marktbegriff inzwischen jedoch fast wichtiger geworden: Weltmarkt, Mittwochsmarkt, Automarkt, Kapitalmarkt, Immobilienmarkt, Stellenmarkt
Wie aufschlußreich ist das Internet unter den Aspekten ‘Forum und Markt’? Der Suchdienst ‘Web-Worm’ hat auf hat auf meine Anfragen nach den Stichworten ‘Forum’ und ‘Markt’ jeweils eine Ganze Liste mit Adressen parat. In ein Diskussionsforum würde ich mich gerne einmal einwählen doch leider sind die vom Wurm angebotenen Seiten sehr speziell auf einen Expertenkreis zugeschnitten. Bei den ersten zwanzig Seiten sind hauptsächlich Computer- und Internetbesessenen angesprochen. Ich weiß wohl, daß es auch Architekturforen im Netz gibt, auf diesem Weg waren sie jedoch nicht zu finden.
Bei dem Begriff ‘Markt’ bzw. ‘market’ wurde auf der ersten Seite etwas ganz wichtiges, quasi unentbehrliches zum Kauf angeboten. Einen Marktplatz mit unterschiedlichem Angebot konnte ich jedoch nicht finden, keine Vielfältigkeit wie auf einem Markt sondern einseitige Information von Anderen, die ihre Sache für das Wichtigste halten.
Bei einem Medium, das trotz allem Gerede über Multimedia, hauptsächlich durch Text gesteuert, und von Textbeiträgen geprägt wird, wäre es schön klare und einheitliche Begriffe zu verwenden.
5. Résumé
Wenn auch beide Begriffe manchmal die gleiche Bedeutung zu haben scheinen, so lassen sie sich doch folgendermaßen unterteilen.
Ein Forum ist eher ein Ort auf einer kulturellen, geistigen Ebene. Hier wird diskutiert, argumentiert, informiert und ausgetauscht.
Der Markt ist sowohl städtebauliche Mittel- und Orientierungspunkt einer Stadt, wie auch der wirtschaftliche, ökonomische Ort. Auf Märkten wird angeboten und Verkauft, geworben und Beziehungen geknüpft. Unabhängig von räumlichen Zusammenhängen entsteht er dort wo es ein Angebot und eine Nachfrage gibt.
Abschließend möchte ich noch Aldo Rossi zu Wort kommen lassen, der mit seinem einfachen und präzisen Statement sowohl die reale als auch die virtuelle Stadt gemeint haben könnte.
“Verallgemeinernd läßt sich deshalb lediglich sagen, daß jede Stadt ein mehr oder minder komplexes Zentrum mit unterschiedlichen Merkmalen hat und daß dieses Zentrum für das Leben einer Stadt eine besondere Rolle spielt.”
(Aldo Rossi: ‘Die Architektur der Stadt’, 1973, S.53)
Im Cyperspace singen keine Vögel und blühen keine Bäume, dafür muß dort aber auch kein Laub wegkehren.
Städtebauseminar ‘Virtuelle Städte’
Referat: Robert Kömmet
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